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Museumsverband Sachsen-Anhalt

Erste Hilfe für die Museumsarbeit

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Ausstellungskonzept
Die Anfertigung von schriftlichen Ausstellungskonzepten für ständige Ausstellungen wie Sonder- bzw. Wechselausstellungen ist sinnvoll. Sie dienen der Begründung, Selbstvergewisserung und der Entscheidungsfindung bei Ausführenden wie Geldgebern. Häufig ist bei der Einwerbung von Fördermitteln die Vorlage eines schriftlichen Konzeptes erforderlich. Auch bei der Vergabe eines Ausstellungsvorhabens an Dritte sollte in der Leistungsbeschreibung deutlich werden, was erwartet wird.

Es wird unterschieden zwischen einem Rahmenkonzept, auch Grobkonzept genannt, und einem Feinkonzept. Innerhalb des Feinkonzeptes gibt es ein Einrichtungs- bzw. Gestaltungskonzept der Ausstellung bis hin zu einem Stellplan bzw. einer Wandabwicklung.

Das Rahmenkonzept sollte folgende Punkte umfassen:
  1. Beschreibung von Thema/Inhalt und Zweck/Ziel der Ausstellung mit einer wissenschaftlichen Begründung und des aktuellen Forschungsstandes sowie einer Benennung der Personenkreise (Zielgruppen) die primär angesprochen werden sollen. Dabei ist zu erörtern, ob es Ausstellungen mit gleicher oder ähnlicher Thematik im Umkreis des Museums gibt bzw. kürzlich gegeben hat.
  2. Die Gliederung der Ausstellung nach Themen sowie den wichtigsten Ausstellungsgegenständen ist aufzuführen. Die Gliederung der Ausstellung sollte eine logische Abfolge erkennbar werden lassen, den so genannten „roten Faden". Dabei ist zu erörtern, ob es sich bei der Ausstellung um einen erkennbaren Rundgang handelt, der den Besucher „unsichtbar" leitet, oder um so genannte Themeninseln, die der Besucher frei wählen kann. Dabei sollten die grundlegenden Fragen zu Ausstellungsdidaktik und Vermittlung benannt und erläutert werden (z. B. Kinderebene: handelt es sich dabei um einen besonderen gekennzeichneten Rundgang innerhalb der Ausstellung für Kinder, handelt es sich um eine gesonderte Kinderausstellung, gibt es für Kinder besondere hands-off-Elemente).
  3. Die wichtigsten Exponate sind zu benennen. Dabei ist zu berücksichtigen, was aus dem eigenen Sammlungsbestand geleistet werden kann, wo es Desiderata gibt und was ausgeliehen werden muss für welchen Zeitraum. In diesen Zusammenhang gehören auch die Erörterung des Restaurierungsbedarfs und der konservatorischen Voraussetzungen im Ausstellungsraum sowie die Frage der Sicherheit.
  4. Die Raumsituation ist zu erläutern.
  5. Hinweise zur benötigten Ausstellungstechnik (z. B. Vitrinen, Licht, Klima, Gestalter) sind aufzuführen.
  6. Benennung eventueller Risiken (z. B. wenn ein benötigter Raum nicht saniert wird, wenn zentrale Exponate nicht ausgeliehen werden können).
  7. Kostenschätzung in einer Minimal- und Maximalvariante.
  8. Zeitplan zur Realisierung der Ausstellung.
Das Feinkonzept stellt eine detailliertere Weiterentwicklung des Grobkonzeptes dar:
  1. Die Objekte stehen fest und alle Fragen zur Restaurierung und Sicherheit sind geklärt.
  2. Die Leihgeberanfrage ist abgeschlossen. Die Fragen der Restaurierung und Sicherheit sowie der konservatorischen Situation in der Ausstellung sind geklärt.
  3. Die einzelnen Themenabschnitte der Ausstellung mit den Objekten sind erläutert und die Leittexte liegen vor sowie die didaktischen Hilfsmittel.
  4. Eine maßstäbliche Raumplanung mit sämtlicher Ausstellungstechnik bzw. Raumelementen (Stellplan) liegt vor.
  5. Gleiches gilt für die wesentlichen Gestaltungsgrundlagen und Wandabwicklungen.
  6. Es steht fest, in welchen Bereichen Ausschreibungen zu erfolgen haben.
  7. Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit sind beschrieben.
  8. Ein detaillierter Kosten- und Finanzierungsplan liegt auf der Grundlage realistischer Kostenvoranschläge vor.
  9. Ein detaillierter Zeitplan zu Ausstellungsrealisierung liegt vor.
Die Punkte 3 bis 5 des Feinkonzeptes werden häufig auch im so genannten Dreh- oder Ausstellungsbuch zur Ausstellung behandelt.