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Museumsverband Sachsen-Anhalt

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Kreismuseum Bitterfeld

Bitterfeld

Kreismuseum Bitterfeld Stadtgeschichte Bernsteinkeller Bernsteinkeller Geologie

1892 gründete der Kirchenrendant Emil Obst die "Städtische Sammlung für Heimatkunde und Geschichte des Kreises Bitterfeld". Sein großer Sammeleifer und beengte Räumlichkeiten im Rathaus machten schon 1901 einen Umzug in die Schule an der Stadtkirche notwendig. Seitdem ist die Sammlung in dem 1839 als Mädchenschule errichteten Gebäude zwischen Stadtkirche und Rathaus untergebracht. 1905 erschien erstmals die Bezeichnung Stadtmuseum, in den frühen 60er Jahren wurde das Haus zum Kreismuseum.

Emil Obst, ein leidenschaftlicher Sammler und Verfasser von Broschüren und Zeitungsartikeln, legte den Grundstock für die Sammlungsbestände des heutigen Museums. Seinen Aufrufen nach Schenkungen folgten viele Bitterfelder und so fanden neben zahlreichen schriftlichen Zeugnissen auch ur- und frühgeschichtliche Objekte, Münzen und andere heimatkundliche Zeitzeugnisse den Weg in das Museum.

Der heutige Sammlungsbestand setzt sich aus einer großen Objektgruppe zum Thema Hausrat, Alltagsgegenständen und Geschirr zusammen. Zu weiteren wichtigen Bestandteilen des Inventars des Hauses gehören die Zinnsammlung, der Münzbestand, die geologische und paläontologische Sammlung. Darüber hinaus gibt es einen umfangreichen Bestand von archäologischen und naturkundlichen Objekten, Plakaten sowie zahlreichen Zeitzeugnisse aus den Jahren 1945 bis 1990.
Erwähnenswert sind auch die umfangreiche Fotografiesammlung, die Archivalien und die gut bestückte Bibliothek des Hauses.

Sammlungen bei museum-digital

Sonderausstellungen

Sonderausstellung vom 02.10.2019 bis 02.03.2020
Bitterfelder Amateurfilmkollektive – Zirkeltätigkeit zwischen Kohle und Chemie

Zwischen 1951 und 1990 gründeten sich in der ehemaligen DDR zahlreiche Amateurfilmstudios die durch Kombinate und Betriebe Unterstützung fanden. Das Bitterfelder Amateurfilmkollektiv gehörte mit seiner Gründung im Jahre 1952 zu den Pionieren dieser Bewegung. Als lokaler und nationaler Förderer des Amateurfilms galt Alfred Dorn, der von Gründung bis zur Abwicklung Leiter des Betriebsfilmstudios im ehemaligen Elekrochemischen Kombinat Bitterfeld (später Chemiekombinat Bitterfeld) war. Die Filmkollektive machten es sich zur Aufgabe Produktionsabläufe und Entwicklungen der Kombinate zu dokumentieren. Mit der Gründung des Clubs der Filmamateure (CdFA) und regelmäßigen Veranstaltungen im Bitterfelder Kulturpalast, sprach der Filmzirkel ein breites Publikum von Amateurfilminteressierten an. Regelmäßiger Höhepunkt war das BAFF - das Bitterfelder Amateurfilmfestival - an welchem nationale und internationale Betriebsfilmstudios teilnahmen. Mitte der 1980er Jahre bis zu Beginn des Folgejahrzehnts verloren die Amateurfilmzirkel an Bedeutung. Das Erbe des hiesigen Zirkels befindet sich heute im Kreismuseum Bitterfeld und dem Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen und soll nun erstmals mit einer Ausstellung in Erinnerung gerufen werden.

Veranstaltungen

26.02.2020 um 14:00 Uhr
DDR-Zeitzeugen-Vortrag von Dr. Ernst Paul Dörfler
Am Mittwoch, den 26. Februar 2020, 14:00 Uhr, lädt das Kreismuseum Bitterfeld zum DDR-Zeitzeugen-Vortrag des Naturwissenschaftlers, freischaffenden Autoren und Umweltschützers Dr. Ernst Paul Dörfler aus Steckby ein.

Dörfler, 1950 in Kemberg geboren, studierte Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre Chemie an der Technische Hochschule in Magdeburg. Nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent promovierte er 1977 zum Doktor der Naturwissenschaften. Ab 1978 war Dörfler für vier Jahre als Ökochemiker am Institut für Wasserwirtschaft in Berlin und Magdeburg. Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit erarbeitete er mehrere Umweltstudien zur ökologischen Situation in der DDR, die umgehend vom Umweltministerium der DDR zur geheimen Verschlusssache erklärt wurden. Die ihm aufgedrückte Schweigepflicht und die Unmöglichkeit zur Veröffentlichung dieser Arbeiten waren der Grund, dass er ab 1983 freiberuflich Umweltaufklärung betrieb, worauf er unter ständiger Beobachtung durch das Ministerium für Staatssicherheit stand.
Unter nicht einfachen Bedingungen veröffentliche Dörfler Ende 1986 das Buch "Zurück zur Natur?“ – Mensch und Umwelt aus ökologischer Sicht – Diese Publikation verbreitete sich rasch in den Kreisen der DDR-Umweltbewegung. 1989 gehörte er zu den Mitbegründern der Grünen Partei in der DDR, die er am Zentralen Runden Tisch vertrat. Bei der letzten und ersten freien Volkskammerwahl 1990 wurde Dörfler zum Abgeordneten gewählt. Bis Dezember 1990 vertrat er das Bündnis90/Die Grünen im Bundestag. Heute setzt er sich im Bund für Umwelt und Naturschutz ein.

Diese Episoden seiner Biografie hat er in seinem neuen Buch "Nestwärme“ (Hanser-Verlag München) verarbeitet, das es 2019 auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat und aus dem Dörfler kurze Passagen in Wort und Bild vorstellen wird. Daneben bespricht er den Runden Tisch, die DDR-Volkskammer sowie die Umweltbewegung.

Alle Interessierten und Museumsfreunde sind herzlich eingeladen. Der Eintritt beträgt 2,50 € bzw. 1,50 € ermäßigt. Um Voranmeldung wird gebeten.


27.02.2020 um 18:00 Uhr
"Die ersten Chroniken der Landgemeinden“, Vortrag von Benny Berger
Am Donnerstag, den 27. Februar 2020, 18:00 Uhr, lädt das Kreismuseum Bitterfeld zum Vortrag mit dem Titel "Die ersten Chroniken der Landgemeinden - Aus den Schulchroniken von Volksschulen im Altkreis Bitterfeld“, gehalten vom Zörbiger Heimathistoriker Benny Berger, ein.

Der Referent wird auf den aktuellen Stand der Schulchroniken und deren Wert für die Lokalforschung eingehen. Er stützt sich dabei auf schriftliche Quellen aus Ortschaften wie Beyersdorf, Löberitz, Salzfurtkapelle, Wadendorf und Holzweißig. Bilder und Kartenmaterial werden den Vortrag untermalen. Berger wird die schulischen Chroniken gegeneinander Stellen und Vergleiche ziehen. Die geschichtlichen Darstellungen waren jeher vom Autoren abhängig. Während einer Schwerpunkte auf Feste und Veranstaltungen legte, schrieb der andere für ihn relevante Ereignisse nieder. Im Vergleich der einzelnen Chroniken miteinander wird Berger die dabei erkannten Lücken schließen und zu einer ganzheitlichen Darstellung der Vergangenheit zusammenführen.
Leuchttürme des Vortrags sind die Spiegel gesellschaftlicher und nationalgeschichtlicher Umbrüche für die hiesigen Landgemeinden. Der Vortragende gibt dabei Einblicke in die Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts über den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik, bis hin zum Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Aber auch die Nachkriegsjahre ab 1945 mit Gründung und Entwicklung in der DDR werden beleuchtet.
Zur Verdeutlichung werden persönliche Schicksale von Lehrern, Schüler und weiteren Personen in die Veranstaltung einbezogen.
Abschließend wird Berger den Wert der Schulchroniken und die ortsübergreifende Erforschung dieser in das Bewusstsein der Zuhörer, dem Heimatforscher und dem allgemein Interessierten bringen.

Alle Interessierten und Museumsfreunde sind herzlich eingeladen. Der Eintritt beträgt 2,50 € bzw. 1,50 € ermäßigt. Um Voranmeldung wird gebeten.

11.03.2020 um 14:00 Uhr
Von der Freiheit eines Christenmenschen in der DDR
Zeitzeugen-Vortrag von Lothar Rochau, Diakon in der DDR

Am Mittwoch, den 11. März 2020, 14:00 Uhr, lädt das Kreismuseum Bitterfeld zum Vortrag mit dem Titel "Von der Freiheit eines Christenmenschen in der DDR“ (DDR-Zeitzeugen-Vortrag), gehalten von Lothar Rochau, ein.

"Lothar Rochau wird über seine Zeit in der DDR im 30igsten Jahr der Wiedervereinigung berichten. Der hallische evangelische Diakon, damals 30 Jahre alt, praktizierte in Halle-Neustadt das Konzept der "Offenen Arbeit" mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zugleich engagierte er sich in verschiedenen Friedens - Menschenrechts - und Umweltgruppen und hielt Kontakte zu weiten Kreisen der Opposition in der damaligen DDR.
Gemeinsam mit anderen Hallensern organisierte er auch am 05.06.1983 - am Weltumwelttag - mitten im Chemiebezirk eine Umweltdemo per Fahrrad.
Rochau wurde seit seinem 17. Lebensjahr von 91 inoffiziellen Mitarbeitern des Staatssicherheitsdienstes - oft rund um die Uhr - überwacht und mehrere OV (Operative Vorgänge) mit umfangreichen Zersetzungsmaßnahmen eingeleitet.
Nachdem die Evangelische Kirche ihn auch auf Grund dieser Maßnahmen kündigt und damit den Schutz entzieht, wird er 1983 zu 3 Jahren Freiheitsentzug wegen § 106 StGB der DDR (staatsfeindliche Hetze) vom Bezirksgericht Halle verurteilt.
[…] Nach dem Fall der Mauer ließ sich Rochau wieder in die DDR einbürgern, ging zurück nach Halle und arbeitete 17 Jahre als Jugendamtsleiter bei der Stadt Halle an der Saale.“

Alle Interessierten und Museumsfreunde sind herzlich eingeladen. Der Eintritt beträgt 2,50 € bzw. 1,50 € ermäßigt. Um Voranmeldung wird gebeten.

18.03.2020 um 18:00 Uhr
DDR-Zwangsarbeit von Strafgefangenen und Bausoldaten im Chemiedreieck
Vortrag von Justus Vesting M. A., MLU Halle-Wittenberg

Am Mittwoch, den 18. März 2020, 18:00 Uhr, lädt das Kreismuseum Bitterfeld gemeinsam mit dem Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen in den Ratssaal des Historischen Rathauses, OT Bitterfeld ein. Der Vortrag mit dem Titel "DDR-Zwangsarbeit von Strafgefangenen und Bausoldaten im Chemiedreieck“, wird von Justus Vesting gehalten.

"Zu DDR-Zeiten waren Strafgefangene zur Arbeit auch in den Chemie- und Braunkohlenkombinaten im Chemiedreieck eingesetzt. Bitterfeld spielte dabei eine Schlüsselrolle, da hier seit 1968 (auch politische) Gefangene in den zum Teil extrem gesundheitsgefährdenden Betrieben des Chemiekombinates Bitterfeld (CKB) eingesetzt waren. Mehrere Gefangene starben aufgrund von Quecksilbervergiftungen oder bei Arbeitsunfällen. Seit 1986 wurden auch Bausoldaten (d.s. Waffendienstverweigerer) im Chemiedreieck eingesetzt, um den massiven Arbeitskräftemangel in der Region abzufedern und die als volkswirtschaftlich wichtig eingestufte Produktion am Laufen zu halten. Der Vortrag wird über die Geschichte dieser Arbeitseinsätze von Strafgefangenen und Bausoldaten in der Region, den daraus gezogenen "Nutzen“ für die Betriebe u.a. und über die Arbeitsbedingungen informieren sowie der Frage nachgehen, ob die Kategorisierung als "Zwangsarbeit“ hierbei gerechtfertigt ist.“

Alle Interessierten und Museumsfreunde sind herzlich eingeladen. Der Eintritt beträgt 2,50 € bzw. 1,50 € ermäßigt. Um Voranmeldung wird gebeten.