Erforschung von Objek­ten ver­meintlich jüdis­ch­er Herkun­ft in der Fläche von Sachsen-Anhalt

01.01.2026 bis 31.12.2026

Die Koordinierungsstelle Provenienzforschung hat das Projekt initiiert und zusammen mit dem Berend Lehmann Museum entwickelt. Ziel des Projektes ist es, rund 180 Objektbiografien aus 22 Museen zu erforschen, mögliche NS-verfolgungsbedingte Entziehungen der Objekteaufzuarbeiten und jüdisches Erbe sichtbar zu machen.

Projekttitel: Erforschung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft in der Fläche von Sachsen-Anhalt – die Tiefenprüfung nach dem Erstcheck

Projektleitung: Anne Sarah Matviyets, Chefkuratorin des Berend Lehmann Museums Halberstadt

Projektkoordination: Eva Thiele

Projektbearbeiterin: Anne Paschen, Marie Luise Wallroth

Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, vom Land Sachsen-Anhalt und von der PostCode Lotterie

Projektbeschreibung

Toraschild mit Inschrift "keter tora" (Krone der Tora), Anfang 19. Jahrhundert, mitteldeutscher Raum, Silber, Halbedelsteine, Anhaltische Gemäldegalerie, Leihgabe ans Museums Synagoge Gröbzig

In dem Projekt „Erforschung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft in der Fläche von Sachsen-Anhalt – die Tiefenprüfung nach dem Erstcheck“ werden von zwei Forscherinnen in einem Zeitraum von zunächst einem Jahr die Biografien von 176 Objekten erforscht, bei denen der Verdacht besteht, dass sie in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnten. In diesem bisher beispiellosen Projekt werden in Sachsen-Anhalt so Objekte aus 22 Sammlungen von Museen untersucht, die ansonsten den Verdachtsmomenten aufgrund fehlender personeller und finanzieller Ressourcen und oft mangelnder Expertise in der Provenienzforschung nicht nachgehen können. 

Aufgrund der inhaltlichen Verortung und der langjährigen Kompetenzbildung im Bereich jüdische Sammlungen und jüdische Geschichte in Sachsen-Anhalt leitet das Berend Lehmann Museum, das von seiner Trägerstiftung, der Moses Mendelssohn Akademie, getragene Projekt.

Im Hof der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt stehen Anne Sarah Matviyets (Chefkuratorin), Eva Thiele (Projektkoordinatorin), Anne Paschen und Marie Luise Wallroth (Provenienzforscherinnen) und Dr. Annette Müller-Spreitz (Koordinierungsstelle Provenienzforschung am Museumsverband Sachsen-Anhalt), die alle zum Gelingen des Projektes beitragen.

Im Hof der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt stehen Anne Sarah Matviyets (Chefkuratorin), Eva Thiele (Projektkoordinatorin), Anne Paschen und Marie Luise Wallroth (Provenienzforscherinnen) und Dr. Annette Müller-Spreitz (Koordinierungsstelle Provenienzforschung am Museumsverband Sachsen-Anhalt), die alle zum Gelingen des Projektes beitragen.

Als Kooperationspartner fungieren der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. und die folgenden 22 Museen: 1. Berend Lehmann Museum, 2. Museum Aschersleben, 3. Stadtmuseum „Wilhelm von Kügelgen“ Ballenstedt, 4. Museum Schloss Bernburg, 5. Kreismuseum Bitterfeld, 6. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, 7. Museum für Stadtgeschichte Dessau, 8. Museum Schloß Neuenburg (Bestände ehemalig. Kreismuseum) Freyburg, 9. Museum Heineanum Halberstadt, 10. Städtisches Museum Halberstadt, 11. Stadtmuseum Halle (Saale), 12. Historisches Museum für Mittelanhalt & Bach-Gedenkstätte Köthen, 13. Museum im Schloss Lützen, 14. Börde-Museum Ummendorf/Bestand Oschersleben, 15. Kreismuseum Osterburg, 16. Spengler-Museum Sangerhausen, 17. Salzlandmuseum Schönebeck/ Elbe, 18. Winckelmann-Museum Stendal, 19. Börde-Museum Burg Ummendorf, 20. Museum Schloß Neu-Augustusburg Weißenfels, 21. Harzmuseum Wernigerode und 22. Museum Schloss Zeitz.

Hintergrund

In den Jahren 2016 bis 2021 hat der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. in vier Staffeln insgesamt 30 Museen in Sachsen-Anhalt einem Erstcheck NS-Raubgut zur Prüfung von Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut unterzogen. Dabei wurden bei 172 Objekten aus 21 Museen Verdachtsmomente auf NS-verfolgungsbedingten Entzug von jüdischen Eigentümer:innen gefunden. Oft sind es beim Erstcheck NS-Raubgut einzelne Funde, für die ein Museum kein Einzelprojekt aufsetzen oder kaum anderweitig diffizile, fachspezifische Recherchen selbst unternehmen kann. In diesem Zuge widmet sich das Berend Lehmann Museum auch Objekten aus der eigenen Sammlung mit ungeklärter Besitzgeschichte aus der NS-Zeit.

Möglicherweise jüdisches Eigentum, das in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnte, liegt vor in den 21 Museen:

  • bei Alltagsgegenständen mit Hinweisen auf jüdische Gewerbetreibende oder jüdischen Vorbesitz (18 Objekte),
  • bei Judaica (44 Objekte),
  • bei Objekten mit thematischem Bezug zum Judentum (46 Objekte),
  • bei möglicherweise jüdischen Namen in den Dokumentationsunterlagen (64 Objekte)

Die Recherchen konzentrieren sich zunächst auf Ritualgegenstände und Judaica.

Das Provenienzforschungsprojekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und von der PostCode Lotterie.