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Museumsverband Sachsen-Anhalt

Museen Sachsen-Anhalts

Gedenkstätte für die Opfer des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge

Langenstein

Blick in den Stollen, 2012 Die Dauerausstellung, 2015

Die Gedenkstätte ist ein internationaler Ort des Erinnerns an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Langenstein-Zwieberge aus 23 Ländern.

GESCHICHTE
Das Projekt "Malachit" im letzten Kriegsjahr
Noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges erhofften sich die Nationalsozialisten vom Einsatz moderner Jagdflugzeuge einen wirksameren Schutz des deutschen Luftraums vor den alliierten Bombern.
Der am 1. März 1944 gegründete "Jägerstab" sollte die Fertigung dieser strahlgetriebenen Flugzeuge sicherstellen. Das schloss auch die Schaffung bombensicherer Fertigungsstätten ein.
In diesem Zusammenhang begann im Frühjahr 1944 unweit von Halberstadt im Harzvorland unter dem Decknamen "Malachit" ein riesiges Projekt: der Bau eines Netzes von Stollengängen im Hügel der Thekenberge mit einer Grundfläche von rund 72.000 m2, in denen Flugzeugteile produziert werden sollten. Zur Unterbringung der dafür notwendigen Arbeitskräfte wurde im April 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in der Nähe des Dorfes Langenstein errichtet. Insgesamt wurden dort von April 1944 bis April 1945 mehr als 7.000 Häftlinge aus 23 Ländern gefangen gehalten.

Mörderische Ausbeutung durch Arbeit
Die Mehrheit der in Langenstein Inhaftierten wurde zum Bau des Stollens eingesetzt. Von Mai 1944 bis Anfang April 1945 trieben sie Stollengänge mit einer Fläche von 67.000 qm in den Berg. Das entsprach 93 Prozent der für das Bauvorhaben "Malachit" geplanten Fläche. Mehr als ein Drittel davon stand für die Aufnahme der Produktion bereit. Unterernährt und in Lumpen gehüllt arbeiteten die Häftlinge unter extremen Bedingungen: körperlich schwer, ohne Schutzmaßnahmen, im Staub und unter den Schlägen des Aufsichtspersonals. Bis zur Lagerevakuierung starben nahezu 2.000 Männer, das heißt fast ein Drittel aller Häftlinge.

Todesmarsch
Am 9. April 1945 wurde das Lager auf Befehl der SS evakuiert. Sechs Kolonnen zu jeweils 500 noch gehfähigen Häftlingen nahmen den Marsch auf, zurück blieben etwa 1.400 Menschen. Während die erste Kolonne zwölf Tage lang über 260 km getrieben wurde, musste eine andere Kolonne noch weitere 100 km zurücklegen. Von den restlichen Kolonnen fehlen verlässliche Angaben. Die Mehrheit der Häftlinge wurde von den Wachmannschaften erschossen, als sie entkräftet zusammenbrachen oder die Flucht versuchten. Nur ein kleiner Teil von ihnen überlebte den Todesmarsch. Die im Lager Zurückgelassenen wurden von US-amerikanischen Truppen befreit.

Hinweis: Die teilweise beträchtlichen räumlichen Entfernungen auf dem ehemaligen Lagergelände bzw. vom Besucher- und Dokumentationszentrum zum zugänglichen Stollenabschnitt erfordern einen entsprechenden Zeitaufwand.

© Alle Bilder Fotosammlung Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge