Museumsverband Sachsen-Anhalt

Provenienzforschung


Forschungsprojekt: Der Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt.


Der Einfluss der Museumsberatung und ihrer Netzwerke auf die Museen in der Provinz Sachsen und in Anhalt während der NS-Zeit. Akteure, Strukturen, Mittel und Verflechtungen.

Projektbeschreibung
Das Land Sachsen-Anhalt und das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fördern seit Dezember 2019 das langfristige Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e. V. bzw. seiner Vorgängerinstitutionen während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung der noch weitgehend – auch in anderen Bundesländern – unbekannten Strukturen und Netzwerke des Museumsverbandes. Da eine aktuelle wissenschaftliche Bearbeitung dieses Themas bisher fehlt, besitzt das Projekt Pilotcharakter. Das Projekt knüpft inhaltlich an die ebenfalls vom Zentrum geförderten "Erstchecks", also die Suche nach NS-Raubgut an verschiedenen Museen in Sachsen-Anhalt, an.
Die Untersuchungsergebnisse werden im Anschluss an das Forschungsprojekt in einer separaten Publikation veröffentlicht. Erste Zwischenergebnisse werden bereits am 8. April 2020 im Rahmen einer Tagung zum 2.Tag der Provenienzforschung präsentiert.

Das Projekt wird von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter Sven Pabstmann M. A. durchgeführt.

Historischer Hintergrund
Die Geschichte des Verbandes geht auf den im Jahr 1921 gegründeten "Museumsbund der Provinz Sachsen" zurück, der seit 1932 als "Verband zur Förderung der Museumsinteressen in der Provinz Sachsen und im Freistaat Anhalt" weitergeführt wurde und seit 1936 unter dem Namen "Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt" bestand. Ab 1936 bis 1945 unterstanden die regionalen Museumsverbände dem "Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung" sowie den nachgeordneten Landes- bzw. Provinzialbehörden. Damit verbunden war die Ernennung von insgesamt 24 Museumspflegern durch das Reichserziehungsministerium. Für die Provinz Sachsen wurde der Direktor der "Landesanstalt für Volkheitskunde" in Halle (Saale), Walther Schulz (1887–1982), und für das Land Anhalt der Direktor des "Anhaltischen Landesmuseums" in Zerbst, Gustav Hinze (1879–1973), als Museumspfleger eingesetzt.

Ziele
Das Ziel des Provenienzforschungsprojektes ist es, zu klären, in welchem Umfang die Museumspflege in der Preußischen Provinz Sachsen und im Land Anhalt auf die Museen sowie ihre inhaltliche Arbeit Einfluss genommen hat und wie diese Beratungsfunktion heute zu bewerten ist. Außerdem wird der der Frage nachgegangen, welche Aufgaben und Funktionen die staatlich beauftragten Museumspfleger für die NS-Reichsbehörden wahrgenommen haben. Dabei stellt die Aufarbeitung der Verflechtungen zu Museumsdirektoren und -mitarbeitern einen wichtigen Bestandteil der Untersuchung dar. Der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. erhofft sich durch die Untersuchung nicht nur neue Kenntnisse über die weitgehend noch unbekannte eigene Verbandsgeschichte in der NS-Zeit, sondern erwartet auch für zukünftige Forschungsprojekte relevante Erkenntnisse etwa zu systemübergreifenden strukturellen und personellen Kontinuitäten.

Ansprechpartner:
Dr. Annette Müller-Spreitz | Koordination Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 0151 - 271 383 27
E-Mail: mueller-spreitz@mv-sachsen-anhalt.de
Informationen zum Projekt unter: https://www.kulturgutverluste.de/Webs/DE/Forschungsfoerderung/Projektfinder/Index.html

Sven Pabstmann M.A. | wiss. Mitarbeiter für Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Str. 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 0151 - 563 848 03
E-Mail: pabstmann@mv-sachsen-anhalt.de

Forschungsprojekt


Verdachtsmomente klären – vertiefende Provenienzforschung im Altmärkischen Museum Stendal und Danneil-Museum Salzwedel

Projektbeschreibung
Das vorliegende Projekt knüpft an den Erstcheck im Altmärkischen Museum Stendal und im Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel an. Damals wurde ein Bedarf an weiterführender Provenienzforschung zu NS-Raubgut festgestellt. Ziel dieses Verbundprojektes ist nun die systematische Bestandsprüfung beider Museen im Hinblick auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter.

Die beiden zu untersuchenden Museen befinden sich in der Altmark. Dadurch können Überschneidungen der Akteure, also der beiden Museumsvereine – Altmärkischer Geschichtsverein Salzwedel und Altmärkischer Museumsverein Stendal – ausgewertet werden. Vor allem durch den Sammler und Historiker Walter Neuling gibt es eine Verbindung zwischen den Häusern: Neuling war bis 1945 Mitglied im Altmärkischen Museumsvereins Stendal und von Juli 1948 bis Dezember 1955 Leiter des Johann-Friedrich-Danneil-Museums Salzwedel. In Salzwedel brachte er Objekte aus seiner vor 1945 angelegten Sammlung und seinen Kontakten aus der NS-Zeit in den Museumsbestand ein.

Die systematische Bestandsprüfung für die Zugänge 1933–1945 umfasst bestimmte Bestandsgruppen wie Judaica, Zugänge aus der Freimaurerloge, Zugänge aus dem Kunsthandel und von staatlichen Stellen. Insgesamt werden ca. 800 Objekte, rund 660 Objekte in Salzwedel und 140 Objekte in Stendal, untersucht. Außerdem sollen die Institutionsgeschichten in beiden Häusern mit Fokus auf Akteure der Museen und ihrer Gründungsvereine weiter erforscht werden, um Verdachtsmomente zu klären. Die tiefergehenden Recherchen werden auf Grundlage von bereits dokumentierten Provenienzmerkmalen und noch nicht im Erstcheck ausgewerteten Quellen unternommen. Für einige Objekte sollen gerechte und faire Lösungen vorbereitet werden.

Ansprechpartner:
Dr. Annette Müller-Spreitz | Koordination Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 01512 - 71 383 27
E-Mail: mueller-spreitz@mv-sachsen-anhalt.de

Corrie Leitz | Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung -
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
E-Mail: leitz@mv-sachsen-anhalt.de

Weiter Projekte der Einrichtung


• Erstcheck von Museumsbeständen im Altmärkisches Museum Stendal, Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel, Gleimhaus Halberstadt, Museum Aschersleben, Museum Schloss Moritzburg Zeitz
• Erstcheck NS-Raubgut von Museumsbeständen in Museum Schloss Bernburg, Kreismuseum Bitterfeld, Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, Freilichtmuseum Diesdorf, Museum Schloss Neuenburg (Bestände ehemalig. Kreismuseum), Museum Heineanum Halberstadt, Prignitz-Museum Havelberg, Museum im Schloss Lützen, Kreismuseum Osterburg, Städtische Museen Tangermünde, Spengler-Museum Sangerhausen, Salzlandmuseum Schönebeck, Börde-Museum Burg Ummendorf, Museum Schloss Neu-Augustusburg Weißenfels, Harzmuseum Wernigerode, Museum Zörbig und Koordinierung von bereits vorhandenen wie weiterführenden Maßnahmen zur Provenienzforschung
• Erstscheck Provenienzforschung NS-Raubgut im Museum für Stadtgeschichte Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie, Städtisches Museum Halberstadt, Museum Burg Ummendorf Bestand Kreismuseum Oschersleben, Kreismuseum Osterburg, 12/2019–6/2020