Museumsverband Sachsen-Anhalt

Provenienzforschung


Provenienzzforschung in der Presse


Die von der Koordinierungsstelle für Provenienzforschung betreuten Projekte werden auch von der Presse aufgenommen. In den letzten Monaten sind einige Artikel in lokalen und überregionalen Medien erschienen, die unter den folgenden Links zugängich sind:

Artikel von Sabine Seifert in der taz vom 30.09.2021 taz.de/Verantwortung-von-Museen
Artikel von Tom Wunderlich in der Volksstimme vom 05.08.2021 volksstimme.de/lokal/wolmirstedt/kunsthistoriker-sucht-im-wolmirstedter-museum-nach-raubgut
Artikel von Karl Ebert in der Mitteleutschen Zeitung vom 20.09.2021mz.de/lokal/koethen/historiker-sven-pabstmann-sucht-in-den-museen-von-kothen-nach-hinweisen-auf-ns-raubkunst

Erstcheck Provenienzforschung


Erstcheck Provenienzforschung NS-Raubgut im Stadtmuseum "Wilhelm von Kügelgen“ Ballenstedt, Stadtmuseum Halle (Saale), Historischen Museum für Mittelanhalt & Bach-Gedenkstätte Köthen sowie Museum Wolmirstedt
Zum vierten Mal sendet der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. eine:n Provenienzforscher:in in Museen unseres Bundeslandes. Sven Pabstmann soll innerhalb der Projektlaufzeit vom 1. Juli 2021 bis 31. Dezember 2022 Verdachtsmomente auf NS-Raubgut ermitteln.


Mittels der Methode des Erstchecks werden in den Sammlungen kleiner Museen verdächtige Zugänge in der NS-Zeit gesucht sowie die damaligen Akteur:innen und die Sammlungsgeschichten beleuchtet. Die Museen in Ballenstedt, Köthen und Wolmirstedt sind vor der NS-Zeit gegründet worden bzw. aus Einrichtungen hervorgegangen, die bereits vor 1933 bestanden. Das Stadtmuseum Halle (Saale) verzeichnet Zugänge erst ab 1954. Doch fragwürdige und unklare Vorprovenienzen sind auch hier, im einstigen Verwaltungssitz des NSDAP-Gaus Halle-Merseburg, zu erwarten. Die vier Häuser freuen sich angesichts ihrer eingeschränkten personellen wie finanziellen Ressourcen über die Unterstützung bei der Erstprüfung ihrer Bestände.
Die Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V., geleitet durch Dr. Annette Müller-Spreitz, hat am 2. Juli 2021 eine Auftaktveranstaltung im Schloss Köthen organisiert. Dort haben sich die Verantwortlichen aus den vier teilnehmenden Museen zusammengefunden. Es ging darum, die Hintergründe, den Ablauf und die zu erwartete Form der Ergebnisse zu besprechen sowie den Provenienzforscher Sven Pabstmann kennenzulernen. Voller Motivation für das neu gestartete Projekt haben Karin Weigt (Museum für Stadtgeschichte Dessau) und Dr. Nadine Panteleon (Börde-Museum Burg Ummendorf), die bereits 2019 und 2020 Erstcheck durchlaufen haben, aus der Praxis berichtet.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und halten Sie auf dem Laufenden.

Ansprechpartnerin
Dr. Annette Müller-Spreitz | Koordination Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 01512 - 71 383 27
E-Mail: mueller-spreitz@mv-sachsen-anhalt.de



Tag der Provenienzforschung 2021

Ulf Dräger

Tagung des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e. V.
virtuell, 14. April 2021


Anlässlich des 3. internationalen Tages der Provenienzforschung veranstaltete der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. am 14. April eine online-Tagung zum Thema Provenienzforschung.
Im Rahmen der Tagung wurden Ergebnisse aktueller Provenienzrecherchen sowie zukünftige Forschungsperspektiven in Sachsen-Anhalt präsentiert. Die Vorträge boten Einblicke in den weiten Themenkomplex: von der Herkunft menschlicher Überreste in der anatomischen Sammlung der hallischen Universität, über Judaica im Museum Synagoge Gröbzig bis hin zur Museums- und Bibliotheksgeschichte Sachsen-Anhalts während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit.
Das digitale Format ermöglichte es – auf sichere Distanz – die Tagung durchzuführen. Einen Vorteil hat das Ganze: Die Reichweite unserer Tagung war erfreulich, wie sich an der Anzahl von 51 Teilnehmern, auch aus entfernteren Teilen Deutschlands, ablesen lässt.
Die Tagung wurde durch den Museumverband Sachsen-Anhalt e. V. von Dr. Annette Müller-Spreitz und Sven Pabstmann M. A. organisiert und moderiert. Das Land Sachsen-Anhalt hat die Durchführung der Tagung unterstützt.

PROGRAMM
Ulf Dräger | Vorsitzender des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e. V.
Begrüßung und Einführung


Einerseits unterstützt der Museumverband die interessierten Museen bei ihren Vorhaben und Förderanträgen. Andererseits helfen wir fachlich bei der Durchführung von Provenienzforschungsprojekten und organisieren eigene regional übergreifende Forschungsvorhaben. Nicht zuletzt stellen wir wie mit dieser Tagung Transparenz her. In Anbetracht der Personalstrukturen in unseren Museen und der politischen Ansprüche wünschen wir uns eine Verstetigung der Koordinierungsstelle.

In Sachsen-Anhalt hat die museale Herkunftsforschung bereits eine lange über Jahrhunderte reichende Tradition. In 1990er Jahren standen in Folge des Gesetzes über die Entschädigung für Enteignungen auf besatzungsrechtlicher oder besatzungshoheitlicher Grundlage (Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz) Restitutionen im Zusammenhang mit der Bodenreform und die Wiedergewinnung schmerzlicher Verluste wie z.B. den Stiftschatz Quedlinburg im Vordergrund. Seit 1998 engagiert sich das Land mit der Magdeburger "Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste“ der Länder, seit 2015 mit der "Stiftung Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste“. 2019 wurde ergänzend und das Aufgabenspektrum erweiternd die "Koordinierungsstelle Provenienzforschung“ beim Museumsverband Sachsen-Anhalt begründet. Über die permanente Bearbeitung des Themas in den Museen hinaus wurden seit nunmehr zehn Jahren elf spezielle Provenienzforschungsprojekte umfänglich gefördert und diese Arbeit in der gesamten Kulturlandschaft verankert. Gerade starteten wieder zwei neue Projekte.

Ulf Dräger studierte Museologie in Leipzig. Seit 1988 ist er am Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) als Kustos für die Sammlung Kunsthandwerk & Design und das Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt tätig. Er vertritt seit 1991 das Land Sachsen-Anhalt in der Numismatischen Kommission der Länder und der Bundesrepublik Deutschland. 2018 wurde er Mitglied im Sachverständigenausschuss Kulturgutschutz Sachsen-Anhalt und Vorsitzender des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Tag der Provenienzforschung 2021

Dr. Monika Gibas

Dr. Monika Juliane Gibas | Historikerin
Die Suche nach NS-Raubgut in kommunalen Bibliotheken Sachsen-Anhalts


Im Auftrag des Landesverbandes Sachsen-Anhalt im Deutschen Bibliotheksverband e. V. führten Provenienzforscherinnen 2017 in fünf kommunalen Bibliotheken einen Erstcheck zur Auffindung von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern durch. Im Ergebnis der Recherchen konnte der Verdacht auf NS-Raubgut in allen Beständen erhärtet werden. In drei der Bibliotheken, der Wissenschaftlichen Bibliothek Dessau, der Neuen Deutschen Rosenbibliothek Sangerhausen und der Stadtbibliothek Magdeburg läuft seit Ende 2018 die systematische Prüfung der Bestände.

Dr. Monika Juliane Gibas, Historikerin. Forschungs- und Lehrtätigkeit an den Universitäten Leipzig, Jena und Magdeburg. Lehrveranstaltungen und Publikationen zur jüdischen Geschichte und zur Provenienzforschung. Seit 2004 Leitung von Projekten zum Thema NS-Kulturgutraub

Tag der Provenienzforschung 2021

Tim Schauer M.A.

Tim Schauer M. A. | Museum Synagoge Gröbzig
Provenienzforschung im Museum Synagoge Gröbzig


Die außergewöhnliche Historie der Synagoge in Gröbzig bietet vielschichtige Forschungsansätze in breit gefächerten Themenbereichen. Die Aufarbeitung der Hausgeschichte geht in diesem besonderen Fall nahtlos in die Provenienzforschung über. Der Synagogenkomplex sowie der Bestand an Judaica haben die Pogromnacht und somit auch die Zeit des Nationalsozialismus nahezu unbeschadet überstanden. Wie es zu dieser einzigartigen Geschichte kommen konnte, wird in diesem Vortrag erläutert. Des Weiteren werden einzelne Objekte genauer in Augenschein genommen und im Kontext der Provenienzforschung vorgestellt. Dies geschieht im Rahmen eines Arbeitsberichtes, welcher den aktuellen Stand sowie die Vorgehensweise beim Erforschen des Synagogeninventars verdeutlicht.

Tim Schauer M. A. studierte Geschichtswissenschaft und Religionswissenschaft an der Universität Erfurt. Nach seinem Abschluss nahm er an der Weiterbildung MUSEALOG teil und erwarb das Zertifikat zum "Fachreferenten für Sammlungsmanagement und Qualitätsstandards in Museen“. Daraufhin führte er im Museum Synagoge Gröbzig ein Inventarisierungsprojekt durch und ist aktuell dort mit der Provenienzforschung betraut.

Tag der Provenienzforschung 2021

Claudia Steinicke M.A.

Claudia Steinicke M. A. | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Provenienzforschung in den Meckelschen Sammlungen


Die Anatomischen Sammlungen zu Halle – auch Meckelsche Sammlungen genannt – haben ihren Ausgangspunkt in der im 18. Jahrhundert begründeten Privatsammlung der bedeutenden Ärztefamilie Meckel. Mit etwa 8 000 Präparaten gehören sie zu den umfangreichsten ihrer Art in Europa. Die anatomische Lehr- und Forschungssammlung beinhaltet zahlreiche Unikate von großem historischem Wert und wurde 2015 in das Verzeichnis "National wertvolles Kulturgut" aufgenommen. Der Vortrag gibt einen Einblick in abgeschlossene Projekte, wie beispielsweise die Rückgabe sterblicher Überreste indigener Australier im April 2019 und stellt laufende Projekte vor.

Claudia Steinicke M.A. studierte Kunstgeschichte, Italianistik und Zeitgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Magister-Abschluss 2011), seit Juni 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Meckelschen Sammlungen.

Tag der Provenienzforschung 2021

Dr. Annette Müller-Spreitz

Dr. Annette Müller-Spreitz | Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
"Ich brauche mehr Details" – Die Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. unterstützt Museen bei der Beschäftigung mit der Herkunft ihrer Bestände


Didi Hallervordens "Ich brauche mehr Details" nützt ihm in einer seiner Paraderollen zum ad absurdum getriebenen Zeit- und Entscheidungsaufschub. Für die auf Provenienzforschung zielende Projektentwicklung ist dagegen der Wille historische, informative Details zu suchen, zu sammeln und auszutauschen dringlich und verantwortungsvoll. Der Vortrag stellt den Bedarf und Austausch von Detailwissen durch die Koordinierungsstelle Provenienzforschung anhand einiger Fälle vor und münzt das Hallervorden-Zitat zum Motivationsspruch für Museen.

Dr. Annette Müller-Spreitz studierte Kunstgeschichte, Germanistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig, ab 2006 zuerst für die Kunstsammlung der Sparkasse Leipzig und dann für die Wismut GmbH Chemnitz tätig, 2016 Promotion über die Bildbetitelung in der DDR am Beispiel des Künstlers Wolfgang Mattheuer, 2016–2018 Rechercheurin an der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, seit 2019 Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumverband Sachsen-Anhalt e. V.

Tag der Provenienzforschung 2021

Sven Pabstmann

Sven Pabstmann M. A. | Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Museumsberatung unterm Hakenkreuz – Die Geschichte des Museumsverbandes für die Provinz Sachsen und für Anhalt in der Zeit des Nationalsozialismus


Bereits seit den frühen 1920er Jahren bestand mit dem Museumsbund der Provinz Sachsen ein erstes regionales Museumsnetzwerk. Erst mit der Gründung des "Verbandes zur Förderung der Museumsinteressen in der Provinz Sachsen und im Freistaat Anhalt e.V." im Jahr 1929 wurde eine von der öffentlichen Hand getragenen Struktur für das provinzialsächsische Museumswesen geschaffen. Durch eine Satzungsänderung 1936 wurde der Verein schließlich in Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt e.V. umbenannt. Der Vortrag erläutert die Geschichte und Tätigkeit des Museumsverbandes in der NS-Zeit und stellt zentrale Akteure des Museumswesens in der Provinz Sachsen und im Freistaat Anhalt näher vor.

Sven Pabstmann M. A. studierte Kunstgeschichte, Germanistische Literaturwissenschaft und Historische Hilfswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2001–2008). Er war als Provenienzforscher am Museum der bildenden Künste Leipzig (2010) und am Focke-Museum Bremen (2013/14) tätig und ist seit Dezember 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e. V.

Tag der Provenienzforschung 2021

Dr. Jan Scheunemann

Dr. Jan Scheunemann | Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Enteignet, sichergestellt, verwertet. Der Umgang mit Kunst- und Kulturgut aus der Bo-denreform in Sachsen-Anhalt


Bei der 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone durchgeführten Bodenreform wurden nicht nur Ländereien enteignet, sondern auch Schlösser und Gutshäuser sowie das darin befindliche Inventar, d. h. Kunstwerke, Möbel und Geschirr. Ein Erlass des Präsidenten der Provinz Sachsen verfügte die Sicherstellung und Bergung dieser Kunst- und Kulturgüter, die zu großen Teilen in der Moritzburg in Halle (Saale) gesammelt, registriert und von dort an andere Museen, Verwaltungseinrichtungen, aber auch an den Kunsthandel abgegeben wurden.

Dr. Jan Scheunemann studierte Museologie an der HTWK Leipzig sowie Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Rostock und der McGill University Montreal. Er ist Mitarbeiter im Referat Zentrale Aufgaben Restitution bei der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Forschungsprojekt: Der Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt.


Der Einfluss der Museumsberatung und ihrer Netzwerke auf die Museen in der Provinz Sachsen und in Anhalt während der NS-Zeit. Akteure, Strukturen, Mittel und Verflechtungen.

Projektbeschreibung
Das Land Sachsen-Anhalt und das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fördern seit Dezember 2019 das langfristige Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e. V. bzw. seiner Vorgängerinstitutionen während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung der noch weitgehend – auch in anderen Bundesländern – unbekannten Strukturen und Netzwerke des Museumsverbandes. Da eine aktuelle wissenschaftliche Bearbeitung dieses Themas bisher fehlt, besitzt das Projekt Pilotcharakter. Das Projekt knüpft inhaltlich an die ebenfalls vom Zentrum geförderten "Erstchecks", also die Suche nach NS-Raubgut an verschiedenen Museen in Sachsen-Anhalt, an.
Die Untersuchungsergebnisse werden im Anschluss an das Forschungsprojekt in einer separaten Publikation veröffentlicht. Erste Zwischenergebnisse werden bereits am 8. April 2020 im Rahmen einer Tagung zum 2.Tag der Provenienzforschung präsentiert.

Das Projekt wird von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter Sven Pabstmann M. A. durchgeführt.

Historischer Hintergrund
Die Geschichte des Verbandes geht auf den im Jahr 1921 gegründeten "Museumsbund der Provinz Sachsen" zurück, der seit 1932 als "Verband zur Förderung der Museumsinteressen in der Provinz Sachsen und im Freistaat Anhalt" weitergeführt wurde und seit 1936 unter dem Namen "Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt" bestand. Ab 1936 bis 1945 unterstanden die regionalen Museumsverbände dem "Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung" sowie den nachgeordneten Landes- bzw. Provinzialbehörden. Damit verbunden war die Ernennung von insgesamt 24 Museumspflegern durch das Reichserziehungsministerium. Für die Provinz Sachsen wurde der Direktor der "Landesanstalt für Volkheitskunde" in Halle (Saale), Walther Schulz (1887–1982), und für das Land Anhalt der Direktor des "Anhaltischen Landesmuseums" in Zerbst, Gustav Hinze (1879–1973), als Museumspfleger eingesetzt.

Ziele
Das Ziel des Provenienzforschungsprojektes ist es, zu klären, in welchem Umfang die Museumspflege in der Preußischen Provinz Sachsen und im Land Anhalt auf die Museen sowie ihre inhaltliche Arbeit Einfluss genommen hat und wie diese Beratungsfunktion heute zu bewerten ist. Außerdem wird der der Frage nachgegangen, welche Aufgaben und Funktionen die staatlich beauftragten Museumspfleger für die NS-Reichsbehörden wahrgenommen haben. Dabei stellt die Aufarbeitung der Verflechtungen zu Museumsdirektoren und -mitarbeitern einen wichtigen Bestandteil der Untersuchung dar. Der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. erhofft sich durch die Untersuchung nicht nur neue Kenntnisse über die weitgehend noch unbekannte eigene Verbandsgeschichte in der NS-Zeit, sondern erwartet auch für zukünftige Forschungsprojekte relevante Erkenntnisse etwa zu systemübergreifenden strukturellen und personellen Kontinuitäten.

Ansprechpartner:
Dr. Annette Müller-Spreitz | Koordination Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 0151 - 271 383 27
E-Mail: mueller-spreitz@mv-sachsen-anhalt.de
Informationen zum Projekt unter: https://www.kulturgutverluste.de/Webs/DE/Forschungsfoerderung/Projektfinder/Index.html

Sven Pabstmann M.A. | wiss. Mitarbeiter für Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Str. 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 0151 - 563 848 03
E-Mail: pabstmann@mv-sachsen-anhalt.de

Forschungsprojekt


Verdachtsmomente klären – vertiefende Provenienzforschung im Altmärkischen Museum Stendal und Danneil-Museum Salzwedel

Projektbeschreibung
Das vorliegende Projekt knüpft an den Erstcheck im Altmärkischen Museum Stendal und im Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel an. Damals wurde ein Bedarf an weiterführender Provenienzforschung zu NS-Raubgut festgestellt. Ziel dieses Verbundprojektes ist nun die systematische Bestandsprüfung beider Museen im Hinblick auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter.

Die beiden zu untersuchenden Museen befinden sich in der Altmark. Dadurch können Überschneidungen der Akteure, also der beiden Museumsvereine – Altmärkischer Geschichtsverein Salzwedel und Altmärkischer Museumsverein Stendal – ausgewertet werden. Vor allem durch den Sammler und Historiker Walter Neuling gibt es eine Verbindung zwischen den Häusern: Neuling war bis 1945 Mitglied im Altmärkischen Museumsvereins Stendal und von Juli 1948 bis Dezember 1955 Leiter des Johann-Friedrich-Danneil-Museums Salzwedel. In Salzwedel brachte er Objekte aus seiner vor 1945 angelegten Sammlung und seinen Kontakten aus der NS-Zeit in den Museumsbestand ein.

Die systematische Bestandsprüfung für die Zugänge 1933–1945 umfasst bestimmte Bestandsgruppen wie Judaica, Zugänge aus der Freimaurerloge, Zugänge aus dem Kunsthandel und von staatlichen Stellen. Insgesamt werden ca. 800 Objekte, rund 660 Objekte in Salzwedel und 140 Objekte in Stendal, untersucht. Außerdem sollen die Institutionsgeschichten in beiden Häusern mit Fokus auf Akteure der Museen und ihrer Gründungsvereine weiter erforscht werden, um Verdachtsmomente zu klären. Die tiefergehenden Recherchen werden auf Grundlage von bereits dokumentierten Provenienzmerkmalen und noch nicht im Erstcheck ausgewerteten Quellen unternommen. Für einige Objekte sollen gerechte und faire Lösungen vorbereitet werden.

Ansprechpartner:
Dr. Annette Müller-Spreitz | Koordination Provenienzforschung
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
Mobil: 01512 - 71 383 27
E-Mail: mueller-spreitz@mv-sachsen-anhalt.de

Corrie Leitz | Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung -
Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.
Käthe-Kollwitz-Straße 11
06406 Bernburg

Tel./Fax: (0 34 71) 62 81 16
E-Mail: leitz@mv-sachsen-anhalt.de

Weiter Projekte der Einrichtung


• Erstcheck von Museumsbeständen im Altmärkisches Museum Stendal, Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel, Gleimhaus Halberstadt, Museum Aschersleben, Museum Schloss Moritzburg Zeitz
• Erstcheck NS-Raubgut von Museumsbeständen in Museum Schloss Bernburg, Kreismuseum Bitterfeld, Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, Freilichtmuseum Diesdorf, Museum Schloss Neuenburg (Bestände ehemalig. Kreismuseum), Museum Heineanum Halberstadt, Prignitz-Museum Havelberg, Museum im Schloss Lützen, Kreismuseum Osterburg, Städtische Museen Tangermünde, Spengler-Museum Sangerhausen, Salzlandmuseum Schönebeck, Börde-Museum Burg Ummendorf, Museum Schloss Neu-Augustusburg Weißenfels, Harzmuseum Wernigerode, Museum Zörbig und Koordinierung von bereits vorhandenen wie weiterführenden Maßnahmen zur Provenienzforschung
• Erstscheck Provenienzforschung NS-Raubgut im Museum für Stadtgeschichte Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie, Städtisches Museum Halberstadt, Museum Burg Ummendorf Bestand Kreismuseum Oschersleben, Kreismuseum Osterburg, 12/2019–6/2020