Erst­ma­lige proak­tive Erforschung eines Flüchti­gen­rück­lass als Beispiel für Kul­turgutentziehung in der DDR

Mar 1, 2020 to Apr 30, 2026

Die etwa 50 Objekte wurden dokumentiert, analysiert, familiengeschichtlich aufgearbeitet und kunsthistorisch eingeordnet. Dokumente zum Entzug und zur Nachnutzung wurden ausgewertet sowie Quellen zur Familienbiografie erschlossen und Zeitzeuginnengespräche geführt. Um die historischen Hintergründe zu erhellen, wurde die staatliche Aneignung von privaten Rücklässen in den Kontext weiterer Formen des Kulturgutentzugs in der SBZ/ DDR gestellt.

Projekttitel: 'Die sind mit der Handtasche weggegangen' Ein Flüchtigenrücklass im Museum Schloss Bernburg – Beispiel für Kulturgutentziehung in der DDR

Projektleitung: Dr. Annette Müller-Spreitz

Projektbearbeiter:innen: Christiane Heinevetter, Sophie Kamprad, Annette Müller-Spreitz, Roland Wiermann

Gefördert von der Bernburger Freizeit GmbH, der Landeszentrale für politische Bildung
Sachsen-Anhalt, vom Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und vom Land Sachsen-Anhalt.

Projektbeschreibung

Das Projekt zur Erforschung des Flüchtigenrücklasses des Ehepaares Elly und Carl Fiévet im Sammlungsbestand des Museums Schloss Bernburg entstand auf Anregung von Dr. Roland Wiermann (von 2006 bis 2022 Direktor des Bernburger Museums) und Dr. Annette Müller-Spreitz (Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumsverband Sachsen-Anhalt) ab 2020 zunächst als Masterarbeit von Sophie Kamprad. Im April 2022 trug sie ihre Ergebnisse im Museum Schloss Bernburg vor. Daraufhin kam es zum Kontakt mit Gudrun Czernay, einer ehemaligen Nachbarin der Familie Fiévet in der Friedrichstraße in Bernburg. Weitere Recherchen von Sophie Kamprad führten 2023 zu Nachfahrinnen der geflohenen Fiévets, die wichtige biografische Daten beisteuern konnten. Umfangreiche Nachforschungen in zahlreichen Archiven und eine kunsthistorische Expertise runden das Bild ab.
 

Aufgrund der umfassenden Bedeutung dieses Projektes fand eine Zusammenarbeit des
Museumsverbands, des Bernburger Museums, der Landeszentrale für politische Bildung
Sachsen-Anhalt und des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur statt.
Museen, Provenienzforschende sowie vor allem die Öffentlichkeit werden erstmals anhand eines konkreten, spannenden und umfangreichen Falls über die zeithistorischen Umstände der 1950er Jahre in der DDR, das Behördenvorgehen im Zusammenhang mit Republikflüchtigen, das Schicksal Betroffener sowie eingezogene Objekte informiert. Damit werden zugleich der Forschungsstand sowie Hinweise zur Quellenlage und Indizien für kritische Sammlungseingänge von 1945 bis 1990 vorgestellt. Vermutlich handelt es sich um Tausende Fälle, die noch aufzuarbeiten sind.

Thementag, 13.04.2026


Buchpräsentation, 23.04.2026