Fast jeder kennt die Himmelsscheibe von Nebra, weiß um die Bedeutung des Domschatzes zu Halberstadt oder hat schon einmal vom Magdeburger Reiter gehört.
Weit weniger bekannt, sind hingegen der Laurentiusschatz im Stadt- und Bergbaumuseum in Staßfurt, das Guericke-Einhorn im Kulturhistorischen Museum Magdeburg oder die Tonträgersammlung Carl Loewes im gleichnamigen Museum in Wettin-Löbejün.
Dieses Kulturgut stiftet sowohl regionale als auch Landesidentität. Es zu schützen, ist Aufgabe, Verpflichtung und Anspruch der sachsen-anhaltischen Museen. Sein Verlust wäre nicht nur ein Verlust für die regionale Bevölkerung, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Ausgangslage
Als Kulturgut bewahrende Einrichtungen und als Orte der sozialen Interaktion sind Museen für das Gemeinwesen unverzichtbar. Sie sollten auf Katastrophen und Krisen aller Art optimal vorbereitet sein. Sollten…
Die Realität bildet eine jüngste Umfrage des Deutschen Museumsbundes (Umfrage „Umgang mit Krisen im Museum. Wie krisenfit sind Museen?“, 2025) ab. Diese verdeutlicht die drängendsten Krisenthemen für Museen und unterstreicht den hohen Bedarf an Unterstützung. Für rund 60 % der Befragten ist Krisenprävention wichtig, doch nur 38 % betreiben diese tatsächlich und lediglich 6 % (!) der Befragten haben dafür ein eigenes Budget zur Verfügung. Hinzu kommt, dass nur etwa ein Drittel der Befragten (35 %) darüber mit dem Träger in Austausch ist. Die Umfrage zeigt außerdem, dass Zuständigkeiten im Krisenfall nicht klar geregelt sind und standardisierte Abläufe fehlen. 50-80 % der Befragten fühlen sich zumeist „mäßig“ bis „schlecht“ auf den Ernstfall vorbereitet.
Die alarmierende Lage in den sachsen-anhaltischen Museen zeigt zudem eine Umfrage des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt im Jahr 2023/24 im Projekt „Sammeln/Entsammeln“ für den Bereich Notfallprävention und -management.
Aus den Ergebnissen lässt sich insgesamt eine prekäre Lage für den Sammlungsbestand in einem Notfall in den Museen ableiten: Die Museen sind unzureichend mit (Früh-)Warnsystemen ausgestattet; mangelnde Depothygiene, überfüllte Räume sowie unzureichende Raumklimaüberwachung führen zu vermehrten Schädlings- und Insektenbefall; Notfallprävention und -management sind als unzureichend einzustufen, denn Notfallpläne und Erstversorgungsmaterial ist in über 80 % bzw. 63% der Museen nicht vorhanden. Bislang sind nur 30 % der Museen in einem Notfallverbund organisiert, das Interesse in einem solchen mitzuarbeiten ist unter den Befragten jedoch hoch.
In Beratungsgesprächen des Museumsverbandes wird deutlich: Verantwortliche in Museen müssen sich verstärkt selbst um den (präventiven) Schutz der ihnen anvertrauten Kulturgüter bemühen und sich aktiv in den Aufbau von Schutzstrukturen einbringen.
Das Projekt
Hier setzt das Projekt an: Museumsmitarbeitenden soll i.S. e. Hilfe zur Selbsthilfe die Möglichkeit gegeben werden, Notfallprävention auf der eigenen Arbeitsebene zu verbessern.
Das Projekt verfolgt dabei das Ziel, das Bewusstsein für Krisenprävention in den Museen zu stärken und mittels konkreter Handlungsanleitungen auf lokaler Ebene zu verbessern.
Dazu wird eine umfangreiche Fortbildungsreihe erarbeitet und durchgeführt, die den Fokus auf das Thema Krisen- und Notfallprävention legt. Sie verzahnt dabei Theorie und praktische Übungen.
Schwerpunkte werden auf der Erstellung von Notfallplänen sowie der Erfassung von Objekten und/oder Objektgruppen mit potentiellem Schutzbedürfnis liegen. Anhand von Beispielen aus der Museumspraxis werden Anforderungen einzelner Objektgattungen für eine priorisierte Unterschutzstellung erarbeitet.
Das Projekt richtet sich an die gesamte Museumslandschaft in Sachsen-Anhalt. In einem open Call (Termin wird noch bekanntgegeben), werden die Museen zur aktiven Mitwirkung im Projekt angesprochen.
Weitere Informationen folgen in Kürze.